Heute führte uns unsere Route von Cafayate nach Cachi. Doch zuvor hatte ich in der Stadt noch ein paar Einkäufe zu erledigen, unter anderem wollte ich auch noch Geld tauschen. Dabei habe ich eine weitere wichtige Lektion in Sachen Landeskunde dazu gelernt.
Ich ging zunächst dort hin, wo man üblicherweise Geld tausch, nämlich in eine Bank. Da die Schalterhalle schon sehr voll war (alles alte Leute; vermutlich haben sie sich ihre Rente auszahlen lassen), ging ich zur nächsten Bank. Hier standen die Leute schon auf der Straße. Theoretisch hätte ich Geld am Automaten holen können; das kostet aber gleich einmal etwa 10 Euro hier und dann auch noch einmal einen etwa gleich großen Betrag in Deutschland. Also machte ich mich auf die Suche nach einer Wechselstube, wie man sie in Buenos Aires an jeder Ecke findet. Um das Suchen abzukürzen, sprach ich auf der Straße zwei Frauen an. Diese schauten zunächst etwas ungläubig, redet auch etwas von Bank, bis eine meinte: „Ah, doch dort in der Apotheke kann man Geld tauschen“. Jetzt schaute ich ziemlich ungläubig. Als dann aber auch die zweite Frau meinte, dass man in der Apotheke Geld tauschen kann, ging ich also die ca. 50 m hinüber zur Apotheke – gespannt, was mich wohl erwarten würde. Die Apotheke war zum Glück menschenleer (offensichtlich brauchen die Menschen hier Geld, aber keine Medikamente), so dass ich gleich an die Reihe kam. Ich trug mein Anliegen vor, die Dame nannte mir den Wechselkurs, ging nach hinten, kam mit einem Bündel Geldscheine zurück und erledigt war das Ganze. Deutlich schneller als bei der Bank und billiger als am Automaten!
Nun hatten wir alles erledigt und wir konnten uns auf den Weg nach Cachi machen. Dazu stehen grundsätzlich zwei Routen zur Verfügung. Die eine führt über die Ruta 68 und die Ruta 33, ist deutlich länger, dafür aber fast durchgehend asphaltiert. Die andere führt über die bekannte Ruta 40, ist kürzer, aber von der 156 km sind 125 km nicht asphaltiert. Dafür ist diese Strecke aber landschaftlich nicht nur schöner, sondern zum Teil richtig spektakulär. Nachdem wir uns über das Hotel bei der Polizei noch einmal vergewissert hatten, dass die Strecke tatsächlich passierbar ist (manchmal gibt es Probleme beim Durchqueren der (ausgetrockneten) Flußbetten oder Teilabschnitte sind gesperrt), vollgetankt und genügend Wasser eingekauft sowie das Gepäck zum Schutz vor dem Staub in Plastiksäcken eingepackt hatten, machten wir uns auf den Weg.

Wenn Straßen nicht asphaltiert sind, sagen die Argentinier auch, dass sie „ripio“ ist. Und man braucht das Wort nicht zu übersetzen – die Straße ist dann so, wie man es sich als Deutscher vorstellt, wenn man „ripio“ hört, d.h. mit vielen Querrillen, Schlaglöchern, kleineren oder größeren Sandlöchern, viel Staub. Man kommt also nur recht langsam voran, im Schnitt mit ca. 35 km. Wenn man dann noch die Erholungs- und Fotopausen berücksichtigt, muss man für die 156 km also reichlich Zeit einrechnen.
Die Straße ist zwar immer noch die Ruta 40, die wir ja schon in den Tagen zuvor gefahren sind. Aber sie hat nichts mehr mit den kilometerlangen, nur geradeaus und absolut eben verlaufenden Streckenabschnitten der letzten Tage zu tun. Es ist eine Schotterpiste, kurvig, ständig auf und ab, manchmal so eng, dass nur ein Fahrzeug gleichzeitig passieren kann. Die Strecke verläuft vollständig im Tal des Río Calchaqui, mal entlang des Fußbettes, mal im ausgetrockneten Flussbett, mal quer man das Flussbett, mal ist man wieder relativ weit über dem Flussbett. Das alles ist deshalb mit einem normalen PKW natürlich nur möglich in der trockenen oder zumindest wasserarmen Jahreszeit.
Doch die Strapazen und das ständige Gerüttel im Auto haben sich absolut gelohnt. Die Strecke ist absolut spektakulär, man kann das alles auf Fotos oder Videos nur unzureichend festhalten. Dazu kommen wie immer die vielen größeren oder kleineren Dinge, die man am Wegesrand entdeckt. Obwohl wir die Strecke vor genau 32 Jahren schon einmal gefahren sind, hat es sich auch beim zweiten Mal wieder absolut gelohnt.
