Heute mussten wir früh aus den Betten, es stand ein langer Tag auf dem Programm. Wir mussten schon um 6.30 Uhr am Hafen sein, um den Buquebus für die Fahrt von Buenos Aires über den Río de la Plata nach Colonia del Sacramento in Uruguay zu bekommen.

In Uruguay angekommen, gab es zunächst einmal ein kleine Auffrischung in Sachen Landeskunde. Für unsere weitere Reise ab Colonia del Sacramento hatte ich über Check24 einen Mietwagen reserviert und wie bei Mietwagen üblich im Voraus bezahlt. Dafür hatte ich auch einen elektronischen Voucher bekommen. Das hat bisher überall so gereicht, in den meisten Ländern wollte man den Voucher überhaupt nicht sehen, weil die Daten ohnehin schon im System hinterlegt sind. Aber so einfach ist das in Uruguay nicht. Man bestand auf einen schriftlichen Voucher, und zwar nicht einfach den digitalen Voucher auf normalem Papier ausgedruckt. Man erklärte uns, dass ein Voucher nur gültig sei, wenn er auf einem speziellen Dokumentenpapier ausgedruckt, original unterschrieben und gesiegelt ist. Alles Diskutieren und der Apell an den gesunden Menschenverstand halb nichts, der elektronische Voucher wurde nicht akzeptiert, obwohl alle Daten im System der Autoverleihers elektronisch korrekt angekommen waren. Ich musste die Leihgebühr noch einmal bezahlen (am Rande erwähnt: deutlich billiger als bei Check24 gebucht ?!?!) und muss nun versuchen, das ursprünglich bezahlte Geld von Check24 wiederzubekommen.

Das Ganze ist besonders deshalb kurios, weil in Uruguay und in Argentinien ansonsten fast alles elektronisch geht, insbesondere über WhatsApp. Ich habe sogar über WhatsApp Flugoptionen dazu gebucht und wieder geändert. Geht alles problemlos. Aber wenn es um Dokumente geht, sind die Uruguayer eigen. Das muss einfach mit Brief und Siegel sein! Daran hat sich auch in den letzten 30 Jahren nichts geändert.

Das zweite Erlebnis kurz danach. Ich brauchte für mein Handy noch eine uruguayische SIM-Karte für Touristen. 15 Tage, 50 GB für umgerechnet 4,50 Euro. Ist einfach und geht auch ganz schnell – wenn man dann mal an der Reihe ist. Ich ging also in das Geschäft, es waren auch nur 2 Kunden vor mir. Eine Frau war am Tresen, ein Mann wartete noch vor mir. Nach einer Viertelstunde war die Dame am Tresen immer noch nicht fertig; man quatschte mal über und oder das, dann wieder über das eigentliche anliegen, dann funktionierte im System irgendetwas nicht, dann gab es mit der Kreditkarte ein Problem … Nach einer knappen halben Stunde meinte die Bedienung zu der Dame, dass sich das Problem mit der Karte doch nicht so schnell lösen ließe und sie deshalb zuerst die anderen Kunden bedienen möchte. Die Dame setzte sich in den Wartebereich und ich atmete auf. In diesem Moment kam ein junges Paar in das Geschäft und ging geradeaus an mir und dem anderen wartenden Kunden vorbei zum Tresen. Wir schauten uns verdutzt an. Der etwas ältere Herr war wohl genauso perplex wie ich, mir fehlte außerdem die sprachliche Kompetenz, um schlagfertig reagieren zu können. Zum Glück hatten die jungen Leute aber nur „ein paar“ Fragen und waren in der Tat auch relativ schnell fertig. So kam nun also der ältere Herr an die Reihe. Er wollte sich beraten lassen hinsichtlich eines Internetanschlusses zu Hause. Was ist vernünftiger, Glasfaser mit Modem oder doch besser Funk? Welche Geschwindigkeit? Welches Datenvolumen? Welche Vertragsdauer? Welche Zahlungsmodalitäten? Und dann das Ganze wieder vor vorn … Als er dann fertig war und sich mit dem Informationsmaterial verabschiedet hatte, war ich nach etwa 45 Minuten Wartezeit endlich an der Reihe, erklärte kurz, was ich wollte, legte das Geld auf den Tisch, erhielt die SIM-Karte, bedankte und verabschiedete mich.

Auf diese Weise hatten wir insgesamt gut zwei Stunden „verdummbeutelt“. Wir Deutschen haben diesbezüglich einfach ein anderes Verhältnis zur Zeit als Uruguayer. Zwei Stunden warten ist für einen Uruguayer überhaupt keine nennenswerte Dimension, damit wächst man einfach auf und kann es dann … Das macht das Leben in vielerlei Hinsicht entspannter. Auch wenn es mich oft nervt, aber wahrscheinlich sind mir die Uruguayos gerade deshalb so sympathisch.

Nachdem wir mit einiger Verzögerung alles erledigt hatten, machten wir uns auf den Weg in die Altstadt von Colonia del Sacramento, die zurecht zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Die ganze Altstadt ist ein einziges Museum, man kann sich kaum satt sehen.

Die Thermoskanne und der Matebecher dürfen bei keinem Uruguayer fehlen.

Besonders interessant ist auch die etwas außerhalb des Stadtzentrums gelegene ehemalige Stierkampfarena. Diese wurde 1910 erbaut. Bis 1912 wurden darin genau 8 Stierkämpfe ausgetragen, dann wurden in Uruguay Stierkämpfe verboten. Fortan stand die Arena leer, bis man vor einigen Jahren auf die Idee kam, sie zu renovieren und zu einem Veranstaltungsort umzubauen.

Nach der Stadtbesichtigung machten wir uns auf den Weg zu unserem Quartier, der Estancia „El Ceibo“ nördlich der Stadt Florida.

Der Weg führte uns zunächst kilometerweit durch eine Palmenallee.

Danach ging es allerdings ebenfalls kilometerweit quer durch Land, zum Teil auch auf nicht asphaltierten Straßen. Als wir unser Zeil erreicht hatten, wurden wir nicht nur von sehr netten Gastgebern begrüßt, sondern auch von einer einzigartigen Landschaft und einer großartigen Stimmung.

Wunderbare Landschaft
Einzigartige Idylle