Bevor wir uns auf den Weg machten, wurden wir von unseren Gastgebern mit einem Frühstück nach mitteleuropäischer Art verwöhnt, während sich der Herr des Hauses nach uruguayischer Art mit Mate und ein bisschen Brot frühstückte.

Unser heutiger Weg führte uns dann von der Estancia „El Ceibo“ im Landesinneren an die Küste nach Punta del Diablo. Von den von Google Maps vorgeschlagenen Routen wählten wir die nördlichste.


Je weiter wir auf der Ruta 7 nach Norden kamen, umso mehr änderte sich die Umgebung. Die Viehweiden und Getreidefelder wurden mehr und mehr von großen Eukalyptusplantagen abgelöst, die sich zuweilen über den gesamten Horizont erstreckten.
In Uruguay wurde ab den 1990er-Jahren der systematische großflächige Anbau von Eukalyptus begonnen, unter anderem von ausländischen Firmen und Joint Ventures. Heute sind in Uruguay ungefähr 1 Million Hektar mit Eukalyptus bepflanzt, das sind 6% der Landesfläche. Warum?
Eukalyptus wächst unter den klimatischen Bedingungen in Uruguay sehr schnell und kann nach etwa 10 Jahren geerntet werden. Die abgeholzten Flächen werden wieder neu aufgeforstet. Damit hat man in kurzen Zyklen immer wieder den entsprechenden Ertrag. Die Bewirtschaftung, die Abholzung und die Verarbeitung des Holzes erfolgt in industriellem Stil. Das Holz wird in großen Fabriken vor allem zu Zellstoff verarbeitet. Des weiteren wird das Holz auch Sägewerkprodukte, Panels, Sperrholz oder für thermische Energie genutzt.

Doch das Eukalyptusprogramm ist ökologisch nicht unumstritten. Das schnelle Wachstum der Bäume bedingt einen entsprechend hohen Wasserbedarf, was zum Absinken des Grundwasserspiegels führen kann. Ebenso werden dem Boden schnell Nährstoffe entzogen, während sich das Eukalyptuslaub nur langsam wieder zu Humus zersetzt. Zwar ist nach bisherigen Erkenntnissen in Uruguay kein ökologischer Totalschaden zu erwarten, ganz harmlos ist der extensive Eukalyptusanbau aber auch nicht.
In dem kleinen, ziemlich verstaubten und verschlafenen Städtchen José Battle y Ordónez kamen wir an einem stillgelegten ehemaligen Eisenbahnbetriebshof vorbei, der deutlich macht, welche Bedeutung die Eisenbahn in Uruguay einmal hatte. Jetzt gammelt das Gelände aber offensichtlich schon seit Jahrzehnten vor sich hin. Auf dem Gelände lagern zum Beispiel noch Schienenteile, die einmal für die EWrhaltung des Schienennetzes gedacht waren, aber nie benutzt wurden.



Inzwischen findet in Uruguay aber eine Trendwende statt. Die Eisenbahn wird wiederbelebt, zunächst nur für den Güterverkehr. Die Strecke von Montevideo bis zu dem Städtchen Florida ist schon fertig, inklusive eines recht großen Verladebahnhofs in Florida. Wenn man sieht, wie viele LKW in Uruguay unterwegs sind, gerade auch für sie Holzwirtschaft, ist der Wiedereinstieg in die Eisenbahn sicher keine schlechte Entscheidung.
Obwohl wir keine Highlights eingeplant hatten, war es heute wieder eine sehr leerreiche Fahrt durch die wunderschöne Landschaft Uruguays. Die Uruguayer nennen ihr Land übrigens gerne liebevoll „el paísito“, was übersetzt so viel bedeutet wie „s’Ländle“.
Bei unserer Ankunft in Punta del Diablo erwartete uns dann aber noch eine unliebsame Überraschung. Die Temperatur war innerhalb eines Tages von Mitte 30° C auf deutlich unter 20°C abgesackt. Dazu kam noch ein starker Wind sowie zeitweise leichter Regen.