Unser heutiger Weg führte uns von Punta Ballena auf das Weingut Pizzorno gut 30 km nördlich von Montevideo im Departement Canelones.

Auf dem Weg machten wir schon nach wenigen Kilometern in Punta Ballena Zwischenstation. Das ist eine etwas erhöte Landzunge, von der aus man einen herrlichen Blick auf die Bucht von Punta del Este und auf Punte del Este selbst hat. Punta del Este ist der exklusivste Badeort in Uruguay, der vor allem von Argentiniern und Brasilianern besucht wird; die Uruguayer selbst bevorzugen andere, ruhiger Orte.

In Punta del Este geht übrigens auch der offene Atlantik in den Río de la Plata über, d.h. alle Orte, die sich westlich von Punta del Este befinden, liegen nicht mehr am Meer, sondern am Río de la Plata.

In Punta Ballena befindet auch das Casapueblo. Das ist ein künstlerisches Bauwerk, das zwichen Ender der 1950er-Jahre und Anfang der 1990er-Jahre vom Uruguayer Carlos Páez Vilaró erschaffen wurde. In dem Gebäudekomplex befinden sich heute ein Museum, eine Kunstgalerie, ein Hotel und ein Restaurant.

Auf dem weiteren Weg entlang der Küste des Río de la Plata begegneten uns immer wieder herrliche Buchten und Strände, die alle sehr gut besucht waren, kein Wunder, denn der 6. Januar ist in Uruguay ein Feiertag. Da nutzt man die freie Zeit für Entspannung am Strand.

Herrliche Buchten und Sandstrände entlang der Küste des Río de la Plata

An unserem Zielort angekommen wurden wir inmitten der Weinberge in einem herrlichen Ambiente begrüßt. Am Ort des ersten Wohnhauses der Familie Pizzorno, die 1910 aus Piermont in Italien nach Uruguay auswanderte, haben die Nachkommen vor wenigen Jahren eine herrliche Posada mit wunderschönen und sehr modern ausgestatteten Zimmern errichtet.

Für Besucher werden Führungen durch das Weingut, Weinverkostungen sowie Mittags- oder Abendessen angeboten. Außerdem kann man auch übernachten. Man kann die Bausteine entweder einzeln oder in beliebiger Kombination buchen.

Zunächst erhielten wir eine Führung durch die Weinberge und die Weinkeller des Betriebes. Vor einigen Jahren entschied sich die Familie Pizzaro ihre Betriebsphilosophie zu ändern. Statt auf Massenbetrieb wollte man fortan auf Qualität setzen. Entsprechende Fachkräfte wurden eingestellt, das Marketing entsprechend angepasst. Der Erfolg gibt dem Betrieb recht; 60% des produzierten Weins wird exportiert, hauptsächlich nach Brasilien und in die USA, aber auch nach Europa. Angebaut werden v.a. Tannat, Cabernet Sauvignon sowie Sauvignon blanc. Neben Wein stellt man auch Sekt nach der traditionellen Champagner Methode her.

Sekt wird mit der traditionellen Flaschengärung hergestellt.

Im Anschluss an die Führung wurden wir zu einer Weinverkostung eingeladen. Zum Testen angeboten wurden zwei Weiß- und zwei Rotweine. Die Weißweine waren zwei Sauvignon blanc, einmal als „junger“ Wein und einmal als Reserva. Ein junger Wein wird schon ein halbes Jahr nach der Kelterung in Flaschen abgefüllt und verkauft. In Uruguay bedeutet das: Die Trauben werden im Februar gelesen und im August/September kann man den Wein schon kaufen. Die Reserva-Weine reifen nach dem Keltern mindestens ein bis zwei Jahre in Edelstahl- oder in Eichenfässern. Beim Rotwein wurde ein junger Wein und ein Reserva-Wein angeboten, jeweils Tannat.

Zu den Weinen gab es leckere Häppchen. Außerdem wurden wir fachmännisch über den Unterschied im Herstellungsprozess zwischen jungen Weinen und Reserva-Weinen informiert.

Am Abend durften wir dann noch ein viergängiges Menü mit entsprechender Weinbegleitung genießen.

Landestypische Tischdekoration beim Abendessen.

Der hohe professionelle Anspruch und die damit einhergehende hohe Qualität des Betriebes ist beeindruckend. Damit steht Pizzorno sinnbildlich für den Wandel in Uruguay in den letzten zwei Jahrzehnten. Viele uruguayische Betriebe unterschiedlichster Branchen legen zunehmend Wert auf Qualität unter dem Motto „Hecho en Uruguay – Hergestellt in Uruguay“. Viele Jahrzehnte lang war „Made in Germany“ in der ganzen Welt ein Qualitätsmerkmal, heute interessiert das leider kaum noch jemanden …

Von der Moderne noch einmal zurück zu uruguayischen Traditionen. Seit es Autos gibt ist es in Uruguay üblich mit einem Kanister oder einer Flasche auf dem Dach anzukündigen, dass man das Auto verkaufen möchte. Das heißt, man stellt das Auto einfach mit dem Kanister auf dem Dach vor das Haus und wartet, bis Interessenten kommen. Das hat sich offensichtlich auch im Zeitalter von Ebay und anderen Verkaufsplattformen nicht geändert.