Heute ging es endgültig nach Montevideo. Von der Bodega Pizzorno aus waren es zwar nur noch gut 30 Kilometer, aber die Fahrt durch den Speckgürtel von Montevideo vermittelte interessante Eindrücke. Man sieht, wie das moderne Uruguay neben dem traditionellen steht. So sind wir an der neu erbauten Bahnlinie vorbei gekommen und nur wenige Meter daneben haben Händler ihre Waren wie schon seit Jahrzehnten auf dem Boden ausgelegt. Oder kurz nach einer großen industriellen Getreidemühle versucht ein Mann an einer Kreuzung, während der Rotphase Erdbeeren an die Autofahrer zu verkaufen.

Das erste, was man schließlich von Montevideo sieht ist tatsächlich der „Monte“, also der Berg bzw. präziser der Cerro (= Hügel). Die Stadt soll ihren Namen ja diesem Hügel zu verdanken haben, wobei es zwei Versionen gibt. Die populärste Erklärung besagt, das ein portugiesischer Seefahrer beim Einlaufen in die Bucht ausgerufen haben soll: „Monte vide eu!“, was soviel bedeutet wie: „Einen Berg sehe ich!“ Diese Erklärung ist aber weder sprachlich oder historisch eindeutig belegt.

Die wissenschaftlich eher als wahrscheinlicher angesehene Version hat als Grundlage spanische und portugiesische Seekarten aus dem 16./17. Jahrhundert. Auf den Karten wurden die Hügel entlang der Küste durchnummeriert. Der Hügel vor dem heutigen Montevideo könnte als „Monte VI de E-O“ interpretiert worden sein, nämlich als „6. Berg von Ost nach West (Este -> Oueste). Aus „Monte VI de E-O“ könnte sich im Laufe der Zeit schließlich „Montevideo“ entwickelt haben.

Von Weitem zu erkennen: der Cerro an der Bucht vor Montevideo

Da wir das Mietauto noch den ganzen Tag zur Verfügung hatten, unternahmen wir zunächst ein paar Stippvisiten zu einigen etwas weiter entfernten Lieblingsplätzen. Den Anfang machte natürlich der Cerro. Von dort hat man nicht nur einen herrlichen Blick auf die Bucht vor Montevideo und auf die Altstadt, auch die Fahrt hinauf zum Cerro gewährt wunderbare Einblicke in einen noch sehr ursprünglich geprägten Stadtteil.

Blick vom Cerro auf die Bucht und den Hafen von Montevideo
Wichtiges Transportmittel für die Belieferung der Händler
Was es so alles im Angebot zu kaufen gibt

Wenn man schon ein Auto zur Verfügung hat, darf natürlich eine Fahrt entlang der Rambla nicht fehlen. Das ist die Küstenstraße, die vom Hafen im Westen bis zum östlichen Stadtteil Carrasco führt. Obwohl das Wetter nicht ideal war, ist das jedes Mal wieder ein Genuss.

Fahrt auf der Rambla mit traditioneller Musikbegleitung
Ist natürlich auch cool: Fahrt auf der Rambla mit SWR3 im Livestream im Hintergrund

Unser nächstes Ziel war das Barrio Reus, konkret die Straße Emilio Reus. Dieser Stadtteil wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom spanischen Unternehmer Emilio Reus geplant und gebaut, um bezahlbare Wohnungen für Arbeiter und ihre Familien zu schaffen. Die Fassaden der Häuser in der Straße Emilio Reus wurden Anfang der 1990er-Jahre in einem Projekt der nationalen Kunstschule zur Wiederbelebung des Stadtteils von Eigentümern und Künstler bunt gestaltet. Inzwischen sind die Farben etwas verblasst, die für den normalen Verkehr gesperrte Straße ist aber für uns immer noch Highlight. Im Viertel selbst herrscht viel arbeitssames Leben. Neben kleinen Tante-Emma-Läden, die alles verkaufen, gibt es hier vor allem Großhandelsgeschäfte aus der Kleidungs- und Textilbranche.

Barrio Reus

Auf der Rückfahrt genehmigten wir uns noch einen kurzen Abstecher zum Palacio Legislativo, dem uruguayischen Parlament.

Palacio Legislativo

Auf dem Weg zur Rückgabe des Mietautos musste ich wieder über die Rambla fahren. Inzwischen hatte sich der Himmel wieder mehr zugezogen und der Wind hatte stark zugenommen. Was sich mir dann aber an der Rambla darbot, hatte ich nicht erwartet.

Montevideo, 7.1.2026, 17.00 Uhr an der Rambla Gran Bretana
Sie hatten natürlich ihren Spaß mit dem Wetter

Doch zum Glück beruhigte sich das Wetter recht schnell wieder und der Palacio Salvo am Palacio Independencia zeigte sich im wahrsten Sinne des Wortes im besten Licht.

Zum Abendessen machten wir uns dann auf den Weg in die nahegelegen Bar „La Pasiva“ am Plaza Matriz. Das ist eine noch sehr ursprüngliche Bar, die sich über die Jahre kaum verändert hat. Die Atmosphäre spiegelt für uns viel vom Lebensgefühl der ganzen Stadt wider. Unser Lieblingsgericht ist immer noch Chivito; das ist ein kleines gebratenes Stück Lende quasi als Sandwich mit Tomate, Ei, Salat und Pommes Frites. Das war der gelungene Abschluss des Tages unserer Rückkehr nach Montevideo.