An unserem letzten Tag in Montevideo trauten wir ab der Mittagszeit beim Blick aus dem Fenster kaum unseren Augen. Nach dem Unwetter von gestern und dem wolkenverhangenen Himmel am Morgen hatten wir uns schon auf einen wettertechnisch etwas tristen Abschied eingestellt. Doch ab der Mittagszeit strahlte der Himmel über Montevideo wieder so wie wir ihn kennen – nämlich himmelblau. Wen wundert’s, dass die Nationalfarbe Uruguays celeste = himmelblau ist.


Sonntag in Montevideo bedeutet „Feria de Tristán Narvaja“. Das ist ein Markt, der vor über 100 Jahren als Obst- und Gemüsemarkt in der Straße Tristán Narvaja im Zentrum Montevideos ins Leben gerufen wurde. Im Laufe der Zeit hat sich der Markt räumlich auf die umliegenden Straßen ausgedehnt, so dass er sich inzwischen fast über einen ganzen Stadtteil erstreckt.

Heute kann man nicht mehr nur Obst- und Gemüse kaufen, sondern alles, was man sich auch nur vorstellen oder auch nicht vorstellen kann. Von Unterwäsche, Spielzeug, alte Schallplatten, Auto- oder Fahrradzubehör, Heimwerkerbedarf, Antiquitäten und vieles, was ohne Probleme man auch als Schrott durchgehen würde.





Auch wenn man gar nichts kaufen möchte, es macht einfach Spaß, einfach dem Geschehen und den Menschen zuzuschauen.


Nach der Feria Tristán Narvaja und einer kurzen Verschnaufpause hielt der Nachmittag noch eine besonders schöne Überraschung für uns bereit. Rosa, unsere ehemalige Haushaltshilfe, hatte erfahren, dass wir in Montevideo sind und mit uns Kontakt aufgenommen. So haben wir uns kurzfristig am Plaza Matriz in der Bar La Pasiva getroffen. Es war ein sehr schönes und sehr emotionales Wiedersehen; Rosa war uns nicht nur im Haushalt eine große Hilfe, sondern hat uns auch tiefe Einblicke in das Land und das Leben der „normalen“ Uruguayer vermittelt. Darüber hinaus war und ist sie einfach so eine liebenswerte Persönlichkeit. Leider hatten wir über Jahre hinweg keine Kontaktdaten mehr von ihr, so dass der Kontakt abgerissen ist. Das wird nun – WhatsApp sei Dank! – nicht mehr passieren.

Zum Abschluss trafen wir uns noch einmal in unserem ehemaligen Viertel Pocitos mit unseren Nachbarinnen Teresita und Lylian zu einem Abschiedsessen. Nach dem Essen nutzte ich die Gelegenheit, noch einmal meinen alten Schulweg zu Fuß abzulaufen und gedanklich noch einmal 30 Jahre zurückzuwandern.

Dann hieß es endgültig Abschied nehmen. Esteban, Teresitas Sohn, brachte uns im Auto zum Hotel zurück. Er wusste, wie sehr wir die Rambla lieben und nahm folglich die Route entlang der Uferstraße mit Blick auf die untergehende Sonne. Schöner konnte dieser letzte Tag in Montevideo definitiv nicht enden.
