Heute zeigte sich das uruguayische Sommerwetter von seiner schlechtesten Seite. Heftiger, orkanartiger Sturm mit Regen war angekündigt – und kam auch. Man konnte keinen Fuß aus dem Hotel setzen, ohne nicht von oben bis unten nass zu werden.
Das war einerseits ärgerlich, andererseits aber nicht so tragisch, weil wir noch genügend offene Programmpunkte hatten, aus denen sich ein Indoor-Programm gestalten ließ. Dieses begannen wir im Punta Carretas Shoppingcenter. An dem Standort des heutigen Shoppingcenters war früher ein Gefängnis, das in der Zeit der Militärdiktatur besonders gefürchtet war. Einer der bekanntesten Insassen war José „Pepe“ Mujica, der insgesamt 14 Jahre in Haft war und von 2010 bis 2015 uruguayischer Präsident war. Mujica ist wohl der charismatischste Politiker Uruguays aller Zeiten.
Besonders bekannt wurde das Gefängnis in den 1970er-Jahren durch spektakuläre Fluchten von Insassen der Tupamaro-Bewegung. Zum Beispiel schafften 1971 über hundert Insassen in einer Aktion gleichzeitig die Flucht. 1986 wurde das Gefängnis nach einem Aufstand geschlossen und in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre in das heutige Shoppingcenter in europäischem Stil umgestaltet.


Vom Punta Carretas Shoppingcenter ging es anschließend mit dem Taxi durch den Regen Montevideos zum Mercado Agrícola de Montevideo. Dieser Markt wurde vor über 100 Jahren eröffnet und war ursprünglich ein Großmarkt für landwirtschaftliche Produkte. In den 2000er-Jahren wurde das Gebäude restajuriert und in einen modernen Markt- und Freizeit umgestaltet. Heute gibt es darin viele gastronomische Betriebe sowie zahlreiche Märkte für Obst, Gemüse, Fleisch oder Fisch.



Unsere nächste Station war das Café Brasilero in der Altstadt. Dieses Café wurde vor fast 150 Jahren gegründet. Das Gebäude und die Einrichtung sind architektonisch geschützt und kulturelles Denkmal. Hier verkehrten über die Jahrzehnte hinweg regelmäßig uruguayische Intellektuelle, vor allem Schriftsteller und AUtoren wie Mario Benedetti oder Eduardo Galeano.


Letzte Station war gegen Abend dann schließlich der Mercado del Puerto. In diesem über 150 Jahre alten Markt gibt es kein Obst- oder Gemüseangebot mehr, es ist vollständig auf Gastronomie ausgerichtet. Der Mercado ist normalerweise voll besetzt, vor allem in der Mittags- und Nachmittagszeit. Heute war recht wenig los, zum einen weil das Wetter zu schlecht war und zum anderen weil wir recht spät dort waren. Wir haben uns mit einem leckeren Provolone und Fleisch von der Parrilla gestärkt und außerdem mit Medio y Medio, dem typischen Getränk des Mercado del Puerto, auf den Sieg des SC Freiburg angestoßen.


