Heute hatten wir vor dem Flug nach Mendoza noch Zeit für eine weitere Tour durch Buenos Aires. Wir entschieden uns, uns auf die Spuren von drei unsterblichen Argentiniern zu begeben und die Grabstätten von Carlos Gardel  Evita Perón und Diego Maradona zu besuchen.

Also hielten wir vor dem Hotel das erste freie Taxi an und erklärten dem Fahrer unser Vorhaben. Dieser musste aber leider – oder zum Glück  wie sich später herausstellte – ein Strich durch unsere Pläne machen,  denn das Grab von Maradona befindet sich auf einem Privatgelände und darf von niemandem besucht werden. Auch nicht von Argentiniern und schon gar nicht von ausländischen Touristen.

So begannen wir unsere Tour mit Hector, unserem Taxista, im de la Chacarita, einer riesigen Parkanlage mit Friedhof, auf dem sich die Grabstätte von Carlos Gardel befindet. Carlos Gardel wurde 1890 in Frankreich geboren. Zwar wird in Uruguay immer noch behauptet, dass Gardel Uruguayer war, aber die bekannten Dokumente scheinen diesbezüglich eindeutig zu sein. Schon in seiner Kindheit zogen seine Eltern nach Buenos Aires um. Gardel fühlte sich fortan als Argentinier und erhielt irgendwann auch die argentinische Staatsbürgerschaft. Schnell begeisterte er mit seinen Tangokompositionen und mit seinem Gesang nicht nur die Argentinier, sondern auch die ganze tangoaffine Welt. Im Alter von nur 45 Jahren kam er bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Obwohl er mittlerweile also schon 90 Jahre tot ist, lebt er im Herzen der argentinischen Nation weiter, was man auch an seinem stets bunt geschmückten Grab erkennen kann.

Evita Peron ist und war in Argentinien nie ganz unumstritten. Ihr großes Verdienst war aber, dass sie z.B. das Wahlrecht für Frauen eingeführt hat und auch ansonsten viel für die Frauen und die benachteiligten Bevölkerungsgruppen getan hat. Das erkenne auch ihre Kritiker an. Sie ist in der Familiengruft auf dem Cementerio de la Recoleta begraben. Diese Grabstätte ist schlichter als die von Carlos Gardel, aber auch immer mit Blumen geschmückt.

Ein besonderes Erlebnis war schließlich die Fahrt in Diego Maradonas Vergangenheit im Stadtteil La Paternal. Das alles steht in keinem Reiseführer und ist deshalb zum Glück noch nicht kommerziell ausgeschlachtet. Der ganze Stadtteil ist aber ein einziges Maradona Museum und man kann auf Schritt und Tritt erahnen, wie stolz die Leute auf ihren Diego sind und dass er für sie immer noch einer von ihnen ist. Das Stadion der Argentino Juniors, das natürlich seine Namen trägt, ist eine einzige Kultstätte, einschließlich einer kleinen „Kapelle“. Bei diesem Verein begann als Neunjähriger seine Karriere. Später wechselte er zu den Boca Juniors, ehe er seine Weltkarriere in Barcelona und in Neapel so richtig Fahrt aufnahm.

El Orgullo del barrio – Der Stolz des Stadtteils

Äußert interessant, was Hector zum Vergleich von Maradona und Messi erzählt. Seiner Meinung nach wird Messi in Argentinien nie den Heldenstatus von Maradona erreichen, da er nie in Argentinien gespielt hat und wohl auch nie in Argentinien spielen wird. Er wird vor allem von den jungen Fans natürlich verehrt, aber eben nicht so angebetet wie Maradona. Zitat Hector: „Maradona war einer von uns. Messi nicht“

Irgendwann spricht man im Taxi dann natürlich auch über Politik. Was er denn von Milei hält, wollten wir wissen. Die Antwort ist eindeutig. Die Reichen mögen ihn, für das normale Volk und für die Armen macht er nichts. Er senkt die Steuern für die Reichen, bei Leuten wie ihm ändert sich nichts. Hector war 40 Jahre Taxifahrer, ist jetzt im Ruhestand, muss aber weiterhin arbeiten, weil seine Pension hinten und vorne nicht reicht. Bei uns nennt man das „Aufstocken“. Zum Glück fühlt er sich trotz eines Herzinfarkts noch fit für den Job.

Das war unsere Taxifahrt mit Hector. Am meisten erfährt man tatsächlich von den Taxifahrern, die in der Regel gerne erzählen, wenn sie merken, dass man ihre Sprache versteht.